Schildkrötenforum für alle Sumpf-, Wasser- und Landschildkrötenarten

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BeitragVerfasst: Mo 25. Nov 2013, 20:55 
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Arten: europäische und afrikanische Schildkrötenarten
Kurzinformation zur Haltung winterschlafender Landschildkrötenarten
(Verbreitungsgebiete Europa, Asien und Nordafrika):

    Breitrandschildkröte Testudo marginata (Verbreitungsgebiet Süd-Europa)
    Griechische Landschildkröte Testudo hermanni hermanni, Testudo hermanni boettgeri inkl. var. hercegovinensis, (Verbreitungsgebiet Süd-Europa)
    Maurische und Eurasische Landschildkröte, Testudo graeca graeca, Testudo graeca ibera (Verbreitungsgebiet Südeuropa, Nordafrika, Asien)
    Steppenschildkröte Testudo horsfieldii (Verbreitungsgebiet Asien)

    Bei Wikipedia findet man eine Beschreibung der einzelnen Arten und Informationen zur jeweiligen Lebensweise in der Natur; die entsprechenden Seiten sind oben verlinkt.




Vor der Anschaffung:

Man sollte sich im Klaren sein, daß alle genannten Schildkrötenarten sehr langlebige Tiere sind, die man - gut gepflegt - noch an Kinder oder gar Enkelkinder vererben kann. Leider kann man bei ihrer Pflege auch viel falsch machen, so daß die Tiere hässliche Haltungsschäden und schmerzhafte innere Erkrankungen bekommen und sogar nach kurzer Zeit sterben. Entsprechend sorgfältig sollte man die Vorbereitung vor dem Kauf betreiben.


Sind winterschlafende Landschildkröten die richtigen Tiere für mich?

Landschildkröten sind eher gemächliche Tiere, die auch keinen ständigen Kontakt zum Halter brauchen, noch ihn vertragen. Wer ein agiles Haustier sucht, das er zudem anfassen, hochnehmen und streicheln kann, sollte eine andere Tierart wählen. Winterschlafende Landschildkröten sind etwas für Menschen, die Freude daran haben, diesen interessanten aber ruhigen Wildtieren ein naturnahes Biotop im eigenen Garten einzurichten, um sie dann von Ferne in ihrem natürlichen Verhalten zu beobachten.


Welche Art passt am besten zu mir?

Die oben genannten Schildkrötenarten haben mit Ausnahme eines unterschiedlichen Platzbedarfs recht ähnliche Haltungsansprüche. Alle Arten müssen diese Bedürfnisse unbedingt erfüllt bekommen, aber keine Art stellt nennenswert höhere Ansprüche an die Haltung als die andere. Auch der noch unerfahrene Schildkröteninteressent kann sich also für die Art entscheiden, die ihm am meisten zusagt.


Preise und Kosten:

    für halbjährige Jungtiere der oben genannten Arten: bei privaten Züchtern 50-100 € (inkl. der vorgeschriebenen amtlichen Papiere), bei Zoogeschäften meist von 100 € an aufwärts

    Freigehege mit beheizbarem Außenterrarium (in Form eines Gewächshauses oder Frühbeetes), ggfs. ein Kühlschrank für den Winter: je nach Ausführung und Eigenleistung von einigen hundert bis mehreren tausend Euro.

    Futter: geringe Kosten für Wildkräuter und Kalkergänzung

    Sonstige Kosten: Stromkosten für Beheizung und Beleuchtung, jährliche Untersuchungen auf Parasiten, Entwurmungen, ggfs Behandlungskosten. Tierarztkosten können beträchtlich sein und sind ein Faktor, den man VOR einer Anschaffung einkalkulieren muss.


Behördliche Meldepflicht und Begleitpapiere (nur Länder der EU, innerhalb der Schweiz gibt es weder Meldepflicht noch Papiere):

    Meldepflicht

      Alle Landschildkröten gehören zu den streng geschützten Tierarten. Deshalb müssen in der EU der Erwerb und die Abgabe dieser Tiere unverzüglich den entsprechenden Behörden gemeldet werden und zwar unabhängig von der Art des Erwerbs. Tiere, die nachweislich vor dem 1.6.1987 erworben wurden, können nachgemeldet werden. Die Meldepflicht besteht nicht nur bei Kauf/Verkauf, sondern auch für die eigene Nachzucht, bei Schenkung sowie bei zugelaufenen bzw, Fundtieren. Wird die Meldung unterlassen, drohen Strafen für den Halter und eine Beschlagnahme der Tiere.


    Begleitpapiere

      Zu praktischen Zwecken kann man für den Verkauf innerhalb der EU zwei Formen des Legalitätsnachweises unterscheiden, beide müssen dem neuen Halter aber zusammen mit dem Tier übergeben werden, denn nur mit diesen Papieren kann der behördlichen Meldepflicht genüge getan werden.

    • Schildkrötenarten, für die ein Herkunftsnachweis bis zum Züchter bzw. bis zum Import in die EU benötigt wird. Welche Papiere diesem Zweck genügen, kann der entsprechende Sachbearbeiter nach eigenem Ermessen entscheiden. Man sollte sich vor einem Kauf bei der eigenen Behörde erkundigen. Dieser Schutzstatus betrifft bei den winterschlafenden Arten die Steppenschildkröte Testudo horsfieldii, sowie einige Arten von Gopherus sp., jeweils inklusive aller Unterarten.
    • Schildkrötenarten, die eine behördliche Vermarktungsgenehmigung mit Individualerkennung, z.B in Form einer Fotodokumentation brauchen (die sog. EU Bescheinigung, oft fälschlich als CITES-Papiere bezeichnet). Das sind bei den winterschlafenden Arten die Maurische Landschildkröte Testudo graeca, die Griechische Landschildkröte Testudo hermanni und die Breitrandschildkröte Testudo marginata, sowie einige Arten von Gopherus sp., jeweils inklusive aller Unterarten


Image Image
EU-Papiere mit Fotodokumentation


Bezugsquellen und beste Anschaffungszeit:

Hat man sich in Internet und Büchern ausführlich informiert und für eine bestimmte Art entschieden, wendet man sich idealerweise direkt an gute Hobbyzüchter (Züchterliste) und lässt sich bei ihnen 1-2 Jungtiere reservieren (Schildkröten aus Zoogeschäften haben dagegen durch wenig artgerechte Pflege häufig bereits Gesundheitsschäden davongetragen). Die beste Zeit diese Tierchen dann wirklich zu sich zu holen, ist etwa 1-2 Monate nach ihrer ersten Winterstarre. Bis dahin kann man in Ruhe die geeignete Unterbringung vorbereiten.

    WICHTIG: Im Winterhalbjahr (September bis März) sollte man keine Schildkröten aus gemäßigten Breiten kaufen. Die Zeit vor und nach der Winterstarre und die Starre selber verbringen ganz kleine Jungtiere besser beim erfahrenen Züchter. Das spart dem neuen Halter außerdem viel Geld, denn sonst werden unweigerlich sehr teure Leuchtmittel nötig (>100 €). Man kann sogar die Qualität des Züchter daran ablesen, gute Züchter geben sie in dieser Zeit nämlich gar nicht ab.



Unterbringung:

Image
Fotos aus Wikipedia (1) (2) (3).


aktive Zeit (je nach Art etwa Mitte Februar bis Mitte November):

    Europäische Landschildkröten, auch Schlüpflinge (!), sind vorzugsweise während ihrer gesamten jährlichen Aktivitätsperiode im ausbruchsicher eingezäunten, vollsonnigen Freigehege mit beheizbarem Außenterrarium (Gewächshaus/stabiles Frühbeet, Foto 3) unterzubringen. Der Mindest-Platzbedarf liegt nach heutiger Auffassung beim 20-30 fachen der Panzerlänge bzw. -breite für das erste Tier, das sind etwa 10-25 m² für eine ausgewachsene Landschildkröte der oben genannten Arten, bei Vergesellschaftung mehrerer Tiere entsprechend mehr. Bei Jungtieren unter einem kritischen Gewicht von ca. 250 g ist außerdem eine Sicherung gegen Fressfeinde wie Katzen, Ratten, Marder und Raubvögel zwingend erforderlich, z.B. eine Abdeckung mit Drahtgittern wie in Foto 1 .

    Im Gewächshaus oder Frühbeet sollten sich schattige und immer leicht feuchte Unterschlupfmöglichkeiten für die Tiere befinden, die zu keiner Zeit 40°C überschreiten dürfen. Dem Schutzbedürfnis der Tiere kommt es entgegen, wenn sie mit ihrer Schutzhöhle Rückenkontakt herstellen können. Man sollte also Schutzhäuser nicht zu hoch wählen oder sie mit feuchten Blättern, Moos o.ä. auffüllen bzw. niedrige Erdhöhlen anlegen.

    Außerdem ist für lang anhaltende Schlechtwetterperioden eine 80-100W Reflektorglühlampe und ggfs. eine schwache, geregelte Beheizung der Schlafhöhle sinnvoll


inaktive Zeit (Winter):

    Während ihrer 3-5 monatigen Winterstarre benötigen alle oben genannten Arten eine Möglichkeit sie sicher vor Frost und Fressfreinden bei etwa 4-6°C unterzubringen. Das kann im entsprechend dafür ausgelegten Außenterrarium (Gewächshaus/Frühbeet) oder außerhalb des üblichen Geheges im Keller des Halters erfolgen, ggfs. auch in einem dafür reservierten Kühlschrank, falls die Kellertemperaturen zu hoch bleiben. Ungeheizte Schuppen und Garagen sind dagegen meist NICHT geeignet, weil sie selten wirklich frostfrei bleiben.



Vergesellschaftung:

Mit unterschiedlichen Unterarten, Arten, Gattungen oder ganz anderen Tierfamilien: Aus Tierschutzgründen nicht empfehlenswert!

Mit der gleichen Unterart: bedingt möglich

    Die Haltung mehrerer etwa gleichgroßer Jungtiere oder Weibchen ist meist problemlos im selben Gehege möglich. Die Gruppenhaltung mit einem erwachsenen Männchen auf mehrere Weibchen funktioniert in einem ausreichend großen, abwechslungsreich bepflanzten Gehege meist ebenfalls gut. Gelegentliches Abtrennen des Männchens kann aber erforderlich sein.
    Die Haltung eines einzelnen Paares ist problematisch, da gesunde Schildkrötenmännchen sehr paarungsaktiv sind, ein einzelnes Weibchen dadurch sehr bedrängen und durch ständige Bisse, Rammstöße bzw. Paarungen verletzen können.
    Erwachsene Männchen vertragen sich häufig nicht miteinander, selbst dann nicht, wenn keine Weibchen anwesend sind.


Generell gilt beim Vergesellschaften von Schildkröten:

    Das Geschlecht kann man bei Schildkrötenjungtieren jahrelang nicht erkennen und auch eine hohe Bruttemperatur garantiert kein weibliches Geschlecht!
    Wer nicht von vorneherein eine Zucht für sich ausschließen kann, sollte nur blutsfremde Tiere unterschiedlichen Geschlechts vergesellschaften.
    Vor dem ersten Zusammensetzen von Tieren aus unterschiedlichen Bezugsquellen ist eine Quarantäne (d.h. vorübergehende Getrennthaltung) bis über die nächste Winterstarre erforderlich.
    Möglichkeit zur permanenten Getrennthaltung von unverträglichen Gruppenmitgliedern sind immer einzuplanen oder man sollte von vorneherein auf den Kauf von mehr als einer Schildkröte verzichten.



Ernährung:

    Image
    Fotos aus Wikipedia (4) (5) (6) (7) (8)

    Alle hier besprochenen Arten sind ganz überwiegend herbivor, d.h. Pflanzenfresser. Ihre natürliche Nahrung besteht aus einer Vielzahl von verschiedenen Blättern, Blüten, Früchten und teilweise Wurzeln von wilden Kräutern und Gräsern. Nur mit einer solchen Nahrung können wir sie auch in Gefangenschaft gesund erhalten. Wir bieten unseren Tieren daher eine abwechslungs- und faserreiche Wildkräuterkost an. Sehr gerne gefressen werden z.B. Löwenzahn, Malvengewächse (Fotos 4,8), Ferkelkraut (Foto 6), Schaumkraut, die verschiedenen Wegericharten (Foto 5), Weißklee, Rainkohl, Kompasslattich (Foto 7), Wilde Wicken, Windengewächse, Klatschmohn etc. Darüber hinaus sollte den Tieren zu jeder Zeit frisches Trink- und Badewasser zur Verfügung stehen. Eine ausreichende Versorgung mit Kalzium ist ebenfalls sehr wichtig. Besonders der pulverförmige Algenkalk wird auch gut angenommen, weitere Möglichkeiten sind gemahlene Eierschalen oder Sepiaschulp

    +
    Testudo hermanni mit Algenkalk (Foto SabineS)


    Möglichst komplett meiden sollte man dagegen Salat, Obst oder Gemüsefrüchte (Tomaten, Gurken etc.), die für den menschlichen Bedarf "zart und schmackhaft", d.h. faserarm und stark zuckerhaltig gezüchtet wurden. Auch jegliche Form von tierischer Nahrung - mit Ausnahme von Eierschalen und Sepiaschulp - ist nicht ratsam, obwohl sie in der kargen Natur gelegentlich aufgenommen wird. Unsere heimische Pflanzenwelt ist aber ohnehin schon "kalorienreicher" als die natürliche Nahrung der beschriebenen Schildkrötenarten.


Hilfreiche Threads hier im Forum:

Weiterführende Informationen:


_________________
www.emys-home.de
www.graeca-home.de


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