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BeitragVerfasst: Do 9. Jun 2016, 10:02 
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Hi,

in der neuen "Chelonian Conservation and Biology" steht eine interessante Information bzgl. des Einflusses der Temperatur bei der Inkubation von Schildkröteneiern. Dabei geht es nicht um die Temperatur während der thermosensitiven Phase, in der das Geschlecht bestimmt wird, sondern um die Länge dieser Phase, die offensichtlich durch die Temperatur in der Zeit davor festgelegt wird. Die Temperatur VOR der thermosensitiven Phase kann also bei schwankenden Temperaturen ebenfalls einen Einfluss auf die Ausbildung des Geschlechtes haben und zwar anders als man vermuten würde. In dem beschriebenen Experiment an Podocnemis lewyana bewirkt eine Erhöhung der Temperatur in dieser Vorphase um 2°C nahezu eine Verdopplung der Länge der thermosensitiven Phase, nämlich von 28% der Inkubationsdauer auf 52%.

Was heißt das für uns Schildkrötenzüchter? Für diejenigen, die mit durchgehend konstanten Temperaturen brüten gar nichts. Es könnte aber relevant sein, wenn man über die Inkubationzeit schwankende/abgesenkte Temperaturen anbietet, z.B. um Schildanomalien zu vermeiden.

Quelle: http://www.chelonianjournals.org/doi/ab ... CCB-1170.1


CU, A.

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BeitragVerfasst: Sa 11. Jun 2016, 16:24 
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Hallo Editha,

vielen Dank für diesen bemerkenswerten Artikel, den ich mir, wenn ich mehr Zeit habe, noch einmal intensiver zu Gemüte führen werde.

Die Frage ist, welche Schlußfolgerung ich für meine Brutmethode ableiten kann? Ich brüte zur Vermeidung von Schildanomalien die Eier meiner THH die ersten 10 Tage mit ca. 31°C und gehe ab dem 11. Tag auf 33,5°C hoch.

Ab dem 41. Tag gehe ich wieder auf 31°C herunter - das könnte, wenn man das Ergebnis aus dem Artikel zugrunde legt, nicht reichen, Weibchen auszubrüten.

Dann sollte ich doch besser die Temperatur von Anfang konstant hoch lassen oder wenigstens nicht nach dem 40. Tag senken ?

Es wird immer spannender, aber nicht einfacher.

Nochmals vielen Dank für die Info + viele Grüße
Dieter


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BeitragVerfasst: So 12. Jun 2016, 10:03 
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Dieter hat geschrieben:
Die Frage ist, welche Schlußfolgerung ich für meine Brutmethode ableiten kann?

Ich befürchte, zu konkreten Schlussfolgerungen für uns Züchter kann ich noch nichts sagen, falls das überhaupt möglich ist. Ich habe bisher nur die frei zugängliche Zusammenfassung gelesen. Den ganzen Artikel habe ich noch nicht bekommen. Eine gute Quelle für sowas ist leider versiegt... :uurrrggg:

Probleme für das Schlussfolgern sind:

1. Ich glaube zwar, dass solche Mechanismen nicht nur bei einer Art wirken, sondern bei allen Arten mit temperaturabhängiger Geschlechtsfixierung, aber nicht notwendigerweise mit gleichstarken Auswirkungen (Verlängerung von 28% auf 52%). Das könnte sich bei den verschiedenen Gattungen/Arten/Unterarten unterscheiden. In dem Artikel wurde es für eine Podocnemis Art nachgewiesen. Welche konkreten Schlussfolgerungen für andere Arten zu ziehen sind, weiß ich nicht.

2. In der Zusammenfassung steht nicht, in welche Richtung die Ausdehnung der thermosensensitiven Phase geht. Auf der Hand liegt natürlich erst mal eine Verlängerung in Richtung Schlupf. Aber auch ein früherer Start wäre denkbar, da die Temperatur die Geschlechtsorgane ja nicht direkt beeinflusst, sondern die biochemische Umgebung im Ei verändert. Die bewirkt dann ihrerseits die Ausbildung von weiblichen oder männlichen Geschlechtsorganen. Im full text soll etwas dazu stehen, aber leider nicht in der frei zugänglichen Zusammenfassung.


Praktisch hilfeich ist der Artikel vermutlich für uns nicht. Aber immerhin erklärt sich dadurch wieder etwas besser, warum es manchmal nicht mit dem Wunschgeschlecht klappt, obwohl man meint alles richtig gemacht zu haben...

CU, A.

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BeitragVerfasst: So 12. Jun 2016, 15:58 
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Vielen Dank, Editha, für die Erläuterung.

Schade, dass der Artikel noch nicht verfügbar ist - vielleicht klappt es später noch.

Ich wäre davon ausgegangen, dass die TSP bei höheren Temperaturen kürzer ist als bei niedrigeren - analog der Erkenntnis von Claude Pieau: "die thermosensitive Phase umfasst allgemein 12 (bei 30°C) -15 (bei 26°C) Tage im Bereich des mittleren Drittels der Entwicklung" (aus: Marginata 1(4)).

Dann hätte ich geschlußfolgert, dass ein Anhebung der Temperatur nach den ersten 10 Tagen in die gleiche Richtung, d.h. einer Verkürzung der TSP geht.

Vielleicht bekommen wir in der nächsten Zeit den ganzen Artikel zur Kenntnis und damit ein weiteres Puzzlesteinchen.

Viele Grüße
Dieter


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BeitragVerfasst: So 12. Jun 2016, 17:26 
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Dieter hat geschrieben:
Dann hätte ich geschlußfolgert, dass ein Anhebung der Temperatur nach den ersten 10 Tagen in die gleiche Richtung, d.h. einer Verkürzung der TSP geht.

Beachte, in dem neuen Artikel geht es um eine relative Ausdehnung der thermosensitiven Phase bezogen auf die Entwicklungsstadien des Embryos, nicht auf die Zeit! Bei niedrigen Temperaturen verlängert sich ja auch die gesamte Entwicklung des Tieres. Bezieht man die unterschiedliche Inkubationsdauer ein, kann die thermosensitive Phase bei dem was Claude Pieau in der Marginata schreibt gleich lang sein.

    Beispiel: Wenn die Inkubationsdauer 60 Tage beträgt ist eine 12-tägige TSP bezogen auf die eigentliche Entwicklung genauso lang wie eine 15-tägige TSP bei 75 Tagen Inkubationsdauer, beides mal 20 %. In dem neuen Artikel verlängert sich die TSP aber auf 52 % der Entwicklungszeit. Sie ist also sehr viel länger.


Dieter hat geschrieben:
Schade, dass der Artikel noch nicht verfügbar ist

Verfügbar ist er schon, bloß halt nicht kostenlos. Ich versuche noch ihn zu bekommen, aber solch spezielle Schildkrötenjournals haben halt nur wenige abonniert.

CU, A.

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